Read Gestalt des letzten Ufers: Gedichte by Michel Houellebecq Online

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In Frankreich gab es zum Erscheinen der Gedichte Spekulationen dar ber, ob dies der Schwanengesang des meistgelesenen, aber auch umstrittensten Autors des Landes sei Doch wenngleich es in ihnen auch um die letzten Dinge des Lebens geht, markieren diese Gedichte zun chst einmal Michel Houellebecqs furiose R ckkehr nach seinem drei Jahre zur ckliegenden, mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Bestseller Karte und Gebiet Michel Houellebecq, der sich hier mal n chtern und abgekl rt, dann wieder geradezu zart und schutzlos zeigt, steht dabei seinen erkl rten Vorbildern Mallarm und Baudelaire in nichts nach Gestalt des letzten Ufers ist die kompromisslose poetische Selbstentbl ung eines radikalen Au enseiters, der nichts mehr zu verlieren hat Die einfache Sprache trifft unvermittelt ins Herz der Wahrheit Nie waren wir Houellebecq so nah....

Title : Gestalt des letzten Ufers: Gedichte
Author :
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ISBN : 3832197419
ISBN13 : 978-3832197414
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : DuMont Buchverlag GmbH Auflage 1 3 April 2014
Number of Pages : 587 Pages
File Size : 961 KB
Status : Available For Download
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Gestalt des letzten Ufers: Gedichte Reviews

  • Die Rezensentin
    2019-07-29 15:51

    Romantisch, melancholisch, zärtlich, verzweifelt, gleichgültig... aber immer unverwechselbar Hollebecq. Gut, dass zumindest der Dumont-Verlag erkannt hat, dass er seine Bücher auch als E-Book herausbringen muss, wenn er langfristig überleben will.

  • 54books.de
    2019-08-13 11:48

    Wie bespricht man einen Gedichtband? Im Notfall, denke ich bei mir, kann ich das ausgefallene, wirklich gelungene, Design des Buches loben und mich so aus der Affäre einer Besprechung ziehen. Denn genau dieses hat mich auf den Gedichtband Gestalt des letzten Ufers von Michel Houellebecq neugierig gemacht. Dieser, immer wieder, Skandalautor ist mir als großer zeitgenössischer Autor Frankreichs wohl bekannt, gelesen habe ich ihn nur noch nicht. Durch die Verfilmung von Elementarteilchen, wenn nicht abgeschreckt, doch zumindest sensibilisiert, reagierte ich in Unwissenheit immer mit latenter Ablehnung auf das Ouevre. Doch gibt es in meinem näheren Bekanntenkreis zumindest zwei Freunde (u.a.), die mir immer wieder Houellebecq Lektüre ans Herz legen. Mit diesem Band schlage ich jetzt zwei Fliegen mit einer Klappe: Gedichte sind kurz, ich habe danach einen Houellebecq gelesen und bei Missfallen oder falls ich nichts zu sagen weiß, kann ich den Kopf mit dem Designtrick aus der Rezensionsschlinge ziehen. Schnell gelesen, einfach rezensiert.Was wie blauer Buchschnitt scheint, ist ein Teil des eingeklappten Klappentextes. Vom schwarzen Einband heben sich blaumetallisch Titel und Autor ab. Allein die Idee dieser Klappe schafft es mich bei jedem Öffnen des Buches zu begeistern. Eine scheinbar so einfache, verspielte Idee, die auf mich durchaus Eindruck zu machen weiß. Soviel nur zum Design, wir müssen über anderes reden!Die Sprache erscheint mir zunächst etwas holprig. Am denkbar Weitesten davon entfernt die französische Sprache zu sprechen, erkenne ich in der zweisprachigen Ausgabe doch, dass die Übertragung des Sprachflusses merklich Schwierigkeiten bereitet, kaum können auch die Reime Houellebecqs hinübergerettet werden, die Zeilen werden teilweise sehr sperrig. Die ersten Gedichte rauschen komplett an mir vorbei, ich könnte nach zwei Minuten nicht mehr sagen, was ich gerade noch las. Doch dann gleitet mein Blick immer wieder auf die linke, die französische, Seite und ich versuche ein wenig des Originals zu verstehen und gleiche dann mit der rechten, deutschen, Seite ab. Dann lese ich den Text laut, sicher sehr falsch vor, doch mein radegebrechtes* Et que je dorme un peu, wird von meiner Freundin aus dem Off tatsächlich als als Irgendwas mit ein bisschen schlafen erkannt. Ich muss aufstehen und mir Klebezettel besorgen.Peu á peu, wie wir Franzosen sagen, klebe ich das Buch voll. Auf einmal kann ich in jedem noch so kurzen Vierzeiler eine Sentenz entdecken, die mich entzückt. Erst widert der Zyklus mémoires d'une bite mich an. Denn auch wenn ich selbst dazu neige mich flappsig, teilweise sogar vulgär zu auszudrücken, kann ich mit Lyrik, die mich mit "Die Männer wollen alle nur den Schwanz** // gelutscht bekommen" vor den Kopf stößt nichts anfangen. Doch gerade die Gedichte dieses Kapitels finde ich inzwischen besonders gelungen. Ich war angewidert, jetzt bin ich begeistert. Häßliche Menschen mit kleinen Schweinsgesichtern im Supermarkt der Körper oder im Zug von Stuttgart nach Zürich. Das Apophthegma unserer heutigen Welt, der moderne Mensch (oder Mann?), respektive Westeuropäer in nuce: Einsamkeit, Angst vor dem Tod, Sex und die Suche nach einem Menschen, der uns versteht. Michel Houellebecq spielt mit der Form des Textes, zieht sprachlich und gestalterisch Zeilen in die Länge und erzeugt trotz geraffter Sprache viel größere Räume als sonst ein einzelner Satz vermag. Auf der nächsten Seite zerreißt er diese im Staccato wieder. Houellebecq fragt und klagt an, er zeigt Probleme auf und gibt doch zu sie selbst nicht lösen zu können. Alle seine Gedichte bringen den Leser dazu darüber nachzudenken wie viel des Beschriebenen im eigenen Leben, in der eigenen Person zu finden ist.Isolement - Abschottung erzeugt in nur vier kurzen Stophen genau dieses Gefühl, die acht Zeilen über einen Friedshofbesuch, nein allein die letzten vier, könnten mich, auf dem falschen Fuß erwischt, zum Weinen bringen. Unweigerlich schafft es dieser Sprachkünstler, dass man fröstelt und sich fürchtet. Nicht wie bei einem Horrorfilm oder einer Spukgeschichte, er rüttelt vielmehr an den Urängsten eines jeden, statt nur Possen zu spielen. Fast will man ihn sich zynisch lachend über das Schicksal der anderen vorstellen und sieht ihn dann doch ebenso hilflos diesem großen Nichts gegenüberstehen. Vielleicht will er uns sogar ein bisschen an die Hand, die Angst, nehmen. Kein Kitsch, knallharte Realität, die einem nie vorher so sehr ans Nervenkostüm ging.Houellebecq schreibt in einem der Gedichte (Je m'excuse pour cette rime bien plate). - (Das reimt sich nicht so gut, pardon). - diese Gedichte brauchen keine Reime und ich keine Exitstrategie um diesen Band zu besprechen: Genau so stelle ich mir moderne Lyrik vor! (In einem schönen Buch.) Selten haben mich Gedichte derart berührt.*Im Ernst, ich hab das im Duden nachgesehen: "Obwohl radebrechen vom unregelmäßig gebeugten Verb brechen abgeleitet ist, wird es dennoch regelmäßig gebeugt."** Abgesehen davon, dass es wohl bis zur Auslöschung der deutschen Sprache kein Wort für das männliche Geschlecht geben wird, bei dem man sich nicht wahlweise schämen und/oder schütteln muss. Vielleicht mal das Thema für eine germanistische oder literaturwissenschaftliche Dissertation, für deren Zweitbegutachtung ich mich an dieser Stelle selbst empfehlen möchte.

  • Christoph Janacs
    2019-08-08 14:27

    Tut mir leid, aber ich kann die Begeisterung für Houellebecqs Gedichtband nicht teilen. Die wunderschöne Aufmachung des Buchs täuscht m.E. über die Schwäche der Texte hinweg: Zu sehr ist alles Pose, vordergründig negativ und depressiv (aber nicht von der Tiefe und Qualität eines Beckett), natürlich auch provokativ (was letztlich nur noch Gähnen verursacht, zu oft und ausführlich hat er uns schon aus der Schwanzperspektive die Welt zu erklären versucht) und sehr oft abstrakt (oft werden Dinge bei ihm einfach nur behauptet, aber nicht in Wort und Text erfahrbar gemacht). Dem entgegen steht die auffallend konservative Textgestalt: Strophenform und Reime (auch unreine oder krampfige), die die Übersetzer zum Glück nicht übernommen haben (was aber natürlich die Gedichte stark verändert; wer des Französischen nicht mächtig ist, liest dann einen ganz anderen Houellebecq!).Ich bin mir sicher: würden die Texte nicht von Houellebecq, sondern von einem weniger oder unbekannten Autor stammen, sie hätten den Weg nicht in ein Buch gefunden.

  • Christian Günther
    2019-08-03 11:45

    Ein Teil Frankreichs feiert ihn seit Jahren als den großen französischen Autor und Dichter unserer Zeit. Dennoch schaffte es der andere Teil ihn durch Anfeindung und harsche Kritik für Jahre zu vertreiben. Houellebecq lebte in Spanien, in Irland, schrieb weiter und die Schar seiner Bewunderer wuchs von Werk zu Werk, inzwischen auch weit über Frankreichs Grenzen hinaus, wo er mittlerweile wieder die meiste Zeit lebt.Nach einer ungewöhnlich langen Reihe literarisch umjubelter wie inhaltlich umstrittener Werke, giert die Literaturszene, so scheint es, nach einem Versagen. Eine etwas unverständliche und mir konstruiert vorkommende Diskussion ist unter den Schöngeistern der Kulturnation im Gange: ob Houellebecq sich nun ausgeschrieben hätte, leer ist, alles verschrieben hat, was er zu verschreiben hatte. Der neue Gedicht-Band "Gestalt des letzten Ufers" nährt die Diskussion wie Öl das Feuer. Nicht, weil er das anscheinend ersehnte Versagen nun endlich geschehen läßt - nein, immer noch nicht, im Gegenteil - sondern weil die Gedichte dieses jüngsten Bandes ausschließlich das Altern, den Verfall und letztlich mal mehr, mal minder direkt den bevorstehenden Tod zum Thema haben. Die Diskussion treibt Blüten bis hin zu Mutmaßungen über ein mögliches baldiges Ableben Houellebecqs, sei es selbst verursacht oder aufgrund von Krankheit unvermeidlich. Du lieber Himmel! Houellebecq ist wahlweise 56 oder 58 Jahre alt (je nachdem ob man eher dem Biographen oder der Geburtsurkunde Glauben schenkt) und über den Tod geschrieben haben bereits weitaus Jüngere, ohne sich deshalb unverzüglich gleich selbst ans Sterben zu machen. Übrigens auch die durchschnittliche Lebenserwartung in Frankreich liegt inzwischen nahe bei 80 Jahren; also bitte, rechnet noch mit einigen Werken; vielleicht ja irgendwann auch wirklich mal mit einem nur mäßigen. "Gestalt des letzten Ufers" ist es jedenfalls noch nicht.Die 80 kurzen Texte; im Buch im französischen Original und in der Übersetzung stets vis à vis; entfalten trotz des dunklen Themas keine zerdrückte Stimmung. Michel Houellebecq wird selbst von denen, die ihn gern inhaltlichen anfeinden, für seine Wortkraft bewundert. Keineswegs nur in den Roman, auch in seinen Gedichten neigt er nicht zu poetischem Geschwurbel mit unnötigem Wortlametta und Beiwerk als sprachhübsche Dekoration. Seine Formulierungen sind klar und eben doch ungewöhnlich. Er bedient sich keiner abgehobenen, besonderen Sprache und schafft doch Sätze, die einschlagen und unmittelbar beim Leser Assoziationen wecken. Nicht immer schöne.Es empfiehlt sich unbedingt jedes Gedicht - auch jene, die sich einem sofort zu erschließen scheinen - mehrmals zu lesen. Sie werden größer, wenn man beim zweiten oder dritten mal den Rhythmus gefunden hat. An dieser Stelle ist ein Lob den Übersetzern, Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel, mindestens angebracht. Wie oft liest man Romane in einer Übersetzung, die in ihrer Muttersprache gerade ihrer Sprachlichkeit wegen gelobt werden, und fragt sich am eigenen Geschmack zweifelnd, was daran bloß so besonders sein soll. Dabei ist der eigene Geschmack wohlauf, nur die Übersetzung geriet zu technisch. Gedichte in eine andere Sprache zu heben, ist noch ungleich schwerer, selbst dann, wenn im ursprünglichen Text auf starre Reimschemen weitestgehend verzichtet wurde, die nicht auch noch versucht werden sollen herübergerettet zu werden und trotzdem ganz nah am Original zu bleiben. Die beiden Übersetzer haben ihre Arbeit mit Bravour verrichtet und ein Lesevergnügen ermöglicht.Inhaltlich kann man sich von Houellebecqs neuen Gedichten begeistern und auch verletzen lassen. Man sollte aber den Humor, der zuweilen ungewöhnlich britisch ausfällt für einen Franzosen, nicht überlesen. Er kann umwerfend charmant und milde sein, aber auch geradezu boshaft wahr.