Read Die Entdeckung des Westens: Chinas erste Botschafter in Europa 1866 - 1894 (Europäische Geschichte) by Feng Chen Online

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Europa als fremde Kultur Wie Botschafter aus Fernost die Welt des Abendlandes erforschten Keineswegs naiv bewundernd, sondern kritisch und selbstbewu t betraten die ersten Botschafter aus dem Reich der Mitte die europ ischen Metropolen Ihre Ethnologie der abendl ndischen Welt ist es, die uns heute eine ungew hnliche Perspektive auf die Geschichte Europas erm glicht....

Title : Die Entdeckung des Westens: Chinas erste Botschafter in Europa 1866 - 1894 (Europäische Geschichte)
Author :
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ISBN : 3596601657
ISBN13 : 978-3596601653
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : FISCHER Taschenbuch Auflage 1 1 Mai 2001
Number of Pages : 192 Seiten
File Size : 868 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Entdeckung des Westens: Chinas erste Botschafter in Europa 1866 - 1894 (Europäische Geschichte) Reviews

  • D. Kauck
    2020-01-13 08:43

    Der Gegenstand der ersten Seiten des Buches ist geschichtlich. Es geht darum, wie China gezwungen wurde, diplomatische Beziehungen mit westlichen Ländern aufzunehmen, was in China damals als Zeichen der Unterwerfung galt. Es war üblich, dass tributpflichtige Länder ständige diplomatische Vertretungen in China hatten. China schickte dagegen Gesandtschaften nur dann in andere Länder, wenn ein neuer König an die Macht kam oder ein Aufstand niederzuschlagen war. China hatte auch deshalb kaum Kontakt zu westlichen Mächten, weil es sich als Zentrum der Welt und einzige zivilisierte Nation sah und daher glaubte, dass die "barbarischen" Länder nichts herstellen würden, das China benötigt und nicht schon selbst hätte. Aus diesen Gründen war die Aufgabe der ersten Diplomaten weniger eine diplomatische als eine anthropologische und kultursoziologische. Sie sollten die Sitten, Kultur und Institutionen des Westens untersuchen und darüber berichten. Sie verzichten dabei weitgehend auf Bewertungen und Stellungnahmen ihrer Beobachtungen. Es kommt aber vor, dass in ihren Berichten indirekt Vorschläge zur Nutzung westlicher Methoden oder Institutionen zur Modernisierung ausgedrückt werden.Feng Chen analysiert und interpretiert Berichte über das städtische und gesellschaftliche Leben, Kochkunst, Mode, Ehe, Verwandtschaft und Politik. Sie vergleicht die Berichte der Chinesen ab und zu auch mit Berichten von Europäern in China.Alle chinesischen Diplomaten scheinen von der industriellen Entwicklung und der guten Organisation z.B. des Verkehrs beeindruckt zu sein. Einige von ihnen sind aber dennoch dagegen, moderne Technologien nach China zu importieren. Nach Meinung von Liu Xihong beispielsweise passen Züge gut zu den auf Profit und Mobilität ausgerichteten Gesellschaften des Westens, nicht aber zu der chinesischen Gesellschaft, deren bescheidene Mitglieder sich damit begnügen, ihr Leben an ihrem Herkunftsort zu verbringen, keine weiten Reisen machen und in der Verstorbene überall begraben werden dürfen und diese Gräber womöglich durch Eisenbahnstrecken entweiht würden.Die Diplomaten sehen den Westen schließlich nicht mehr als barbarisch, sondern dem chinesischen Reich materiell (nicht jedoch kulturell) überlegen an. Daher heißen sie auch die Kolonisierung Afrikas gut. Bemerkenswert ist auch, dass die chinesischen Diplomaten das parlamentarische System teilweise durchaus positiv einschätzen, obwohl sie überrascht sind, dass das englische Volk mehr Macht zu haben scheint als der Souverän. Dagegen schenken sie dem Sozialismus nicht viel Aufmerksamkeit und beschreiben revolutionäre Tendenzen auch nur oberflächlich.Das Buch erzählt die Geschichten von Kulturschocks gelehrter Chinesen und europäischer Aristokraten, von Menschen aus völlig verschiedenen Kulturen, die bisher kaum Kontakt miteinander hatten. Manchmal kommt es den Chinesen vor, als würde in England alles andersrum funktionieren. Es wird auch deutlich, wie weit die westliche und chinesische Zivilisation seitdem aufeinander zugegangen sind.Ein paar Unsicherheiten gibt es aber in dem Buch: Z.B. liest man unterschiedliche Jahreszahlen über die Amtszeit von Guo Songtao und unterschiedliche Informationen darüber, von wem er begleitet wurde. Einmal wird berichtet, dass sich seine Frau geweigert hat, ihm nach Europa zu folgen und er daraufhin eine Konkubine mitgenommen hat, ein anderes Mal, dass sie ihn in Europa bei gesellschaftlichen Veranstaltungen begleitet hat (was im damaligen China revolutionär wäre) und wieder ein anderes Mal, dass er mit zwei Frauen in Europa war. Einige Informationen können daher nicht stimmen. Das ändert aber nichts an meiner Bewertung mit fünf Sternen. Das Buch bietet höchst interessante Einblicke in das Europa und China des späten 19. Jahrhunderts.