Read Kaiser von Amerika: Die große Flucht aus Galizien by Martin Pollack Online

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Die Sehnsucht nach einem besseren LebenGalizien um 1900 Hunderttausende trumen von einem besseren Leben jenseits des Atlantiks Den unwissenden und verzweifelten Menschen kann man leicht einreden, dass die Freiheitsstatue in New York die Jungfrau Maria darstelle und der Kaiser von Amerika die armen Menschen aus Osteuropa in sein Reich rufe Schlepper, Agenten und Mdchenhndler schlagen Kapital aus dem Elend Eindringlich und anschaulich erzhlt Martin Pollack von den Schattenseiten der Auswanderung, die beklemmende Parallelen zur Situation vieler heutiger Migranten aufweist....

Title : Kaiser von Amerika: Die große Flucht aus Galizien
Author :
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ISBN : 3423142650
ISBN13 : 978-3423142656
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : dtv Verlagsgesellschaft 1 November 2013
Number of Pages : 284 Seiten
File Size : 992 KB
Status : Available For Download
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Kaiser von Amerika: Die große Flucht aus Galizien Reviews

  • Moussa
    2020-05-26 08:58

    P. befasst sich hier mit einem Ausschnitt aus dem Themenbereich Auswanderung: Dem in d. 2. Hälfte d. 19. Jh. massenhaften Exodus aus (dem damals noch z. K.u.K.-Monarchie gehörenden) Galizien nach Amerika (wobei auch Seitenblicke auf andere Ziele - Türkei, Südamerika - oder andere Ursprungsländer - Polen, Russland, Slowakei pp. - geworfen werden). Er beschreibt die Wurzeln (die ungemein kargen Existenzgrundlagen: Kleinstbauern, Landarbeiter; die mangelnde Bildung: Ungelernte, Analphabeten; Gerüchte über d. glänzenden Möglichkeiten im gelobten Land Amerika), die die betroffenen Menschen (sehr viele Juden), die Strukturen d. Auswanderungswesens (häufig jüdische Schlepper und "Winkelagenten", die aus d. Not d. Menschen mit falschen Versprechen und betrügerischen Praktiken ein einträgliches Geschäft machten; die großen Schifffahrtslinien, allen voran HAPAG mit dem jüdischen Leiter Ballin; Mädchenhandel, dessen Opfer in d. Prostitution gezwungen wurden; die in aller Regel noch elenderen Lebens- & Arbeitsbedingungen in der amerikanischen Industrie & in den Metropolen wie New Yorks Lower East Side). Das Buch ist sehr lebendig geschrieben und fasziniert durch seine leicht fassbare Darstellung des aus den Quellen rekonstruierten Materials, auch wenn es thematisch ziemlich ungeordnet wirkt (einzelne Aspekte d. Themas werden mehrfach wiederholt, die Fotos sind nicht erläutert und wirken wie beliebig eingestreut). Das was Asylsuchende, sog. Wirtschaftsflüchtlinge und Gastarbeiter heute erleben, hat hier eine eindrücklich geschilderte Parallele, wobei dieser Aspekt - der Vergleich mit heutigen Phänomenen - bei P. natürlich völlig ausgespart bleibt

  • Lothar Völler
    2020-05-30 01:57

    Galizien war die ärmste Region im Habsburger Kaiserreich. Es hielt sämtliche (Negativ)-Rekorde bezüglich Kindersterblichkeit (und Kindestötung), Menschen- / Mädchenhandel, Analphabetismus, Korruption, Wucher, Trägheit der Verwaltung, religiöser Borniertheit und Dummheit (im Sinne von ungenügener/fehlender Schulbildung).Das Leben in Polen, Ungarn und Rußland war - vor allem für Juden - auch kein Honigschlecken. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es also eine gewaltige Ost-West-Bewegung: Russische Juden nach Deutschland und Österreich, Polnische Arbeiter ins Ruhrgebiet und (als Erntehelfer) nach Sachsen (Sachsengänger, pol. "na saxy"), Ruthenen und Juden aus Galizien nach Amerika (über Hamburg und Bremen); und junge Mädchen auf Nimmerwiedersehen in alle Himmelsrichtungen (freiwillig oder "geschleppt").(Nachum T. Nadal, Die Juden in Deutschland, S. 19 "Bereits vor und auch nach dem Ersten Weltkrieg kam eine neue Welle von Ostjuden nach Deutschland . . . Nach 1918 waren ungefähr ein Fünftel der Juden in Deutschland Einwanderer aus Osteuropa oder deren Kinder und Enkel.")Der Autor, Martin Pollack, beschreibt in sechsundzwanzig Kapiteln (von je 6 bis 15 Seiten Länge) ausgewählte Zustände und Vorkommnisse in den Flucht- und Zielländern. Als "Aufhänger" dienen ihm (manchmal zufällig gefundene) Zeitungsmeldungen, Gerichts- und Behördenakten, Polizeiberichte, Passagierlisten, Briefe und Fotos.Beispiele:HAMBURGJüdischen Mädchen wurde (nachdem man sie entlaust und gewaschen hatte) "Arbeit" in Moskau angeboten. Der Vermittler (besser:Verkäufer) kassierte bis zu 1500 Mark. Weil aber in Rußland ein Einreiseverbot für Juden galt, mußten die Mädchen zuvor getauft werden. Immer (d.h. 10 -12 Mal pro Woche) fanden sich Gottesdiener, die die geforderte Handlung zu einem erschwinglichen Preis durchführten.Im Jahre 1892 brach in Hamburg die Cholera aus. Da die jüdischen Auswanderer besonders arm waren und darum als besonders verlaust und verdreckt galten, schob man ihnen die Schuld am Ausbruch der Seuche in die Schuhe.NEW YORKUm 1870 lebten in NY schätzungsweise 60.000 Juden; 1910 über 1Mio. Sie leben ..."vorwiegend in der Lower East Side am East River ... und die Einwanderer sind unter sich. Es ist eine eigene, nach außen weitgehend abgeschottete, fast ausschließlich Jiddisch sprechende und trotzig an ihrer Jiddischkeit festhaltende Welt". Viele Männer arbeiten (achtzig und mehr Wochenstunden) als Schneider und Hausierer. "Mädchen steht noch eine andere Möglichkeit offen ... In den dunklen, halbverfallenen Häusern wohnen kinderreiche fromme Juden oft Tür an Tür mit Prostituierten. Manche sind gezwungen, solche Mädchen als Untermieterinnen aufzunehmen; die empfangen Männerbesuche, während die Familie beim Abendbrot sitzt."WIENDie schreiende Not trieb viele Juden aus dem Kronland Galizien nach Wien (160.000 / 2 Mio). In der Regel waren sie berufslos und besaßen nicht viel mehr als ihren Kaftan. Also bettelten sie. (Jüdische Zuhälter gab es auch, und zwar so viele , daß es auffiel - insbesondere jemandem, von dem später noch zu hören war ...)LUFTMENSCHENIn Galizien sprichwörtlich für Menschen, die morgens nicht wußten, ob sie tagsüber etwas Eßbares ergattern würden.ENGELMACHERINWenn eine Abtreibung nicht gelungen war, konnten die Kinder gegen Gebühr einer "Engelmacherin" übergeben werden. Die ließ die Kinder verhungern oder erfrieren.PFERDEKADAVER"Im Sommer 1889 wird Galizien von einer wahrhaft biblischen Dürre heimgesucht." Weil man im folgenden Winter kein Futter für das Vieh haben wird, werden (zuerst) die Pferde verkauft. Die Preise fallen so tief, daß es sich "lohnt" , die Pferde zu schlachten , um von den "Häutejuden" wenigsten für die Decke noch etwas Geld zu bekommen. Die Kadaver werden zu Bergen aufgeschichtet und verfaulen. Auf die Idee, sie zu verarbeiten und zu essen, kommt niemand: 5. Mose 14, 4 - 6 . Wiederkäuer dürfen gegessen werden, Pferde aber nicht.

  • Vielleser
    2020-05-15 09:00

    Ich habe mir diese Abhandlung gemeinsam mit "Galizien: Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina" bestellt und lese sozusagen beides abwechselnd. Martin Pollack versteht es, seine historischen Recherche-Ergebnisse in spannende und gut lesbare Texte zu verwandeln. Habe mir bereits auch schon den "Toten im Bunker" bestellt und warte auf die Publikation von "Topografie der Erinnerung", die ja im März erscheinen soll.

  • Jörg
    2020-05-24 10:03

    Ein sehr bemerkenswertes Buch über die Flucht von Menschengruppen. Damals wie heute. Nur heute sind wir ein Zielland. DieParallelen sind frappierend . Das Buch liest sich sehr gut. Die Recherchen des Autors sind beeindruckend. Für jeden, der sich für Osteuropa interessiert, empfehle ich die Lektüre.